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Anatoly Protopopov

Interview für die Zeitung "Business"

 

Aus dem Russischen ubersetzt von Willi Risto

Site of the "Business" newspaper

 

 
  "Das Leben ist eine unaufhörliche Anstrengung, die darauf zielt, der Notwendigkeit des Nachdenkens zu entfliehen"
   Aldous Huxley

 

Anatoly, haben Menschen wirklich Instinkte? Ist es irgendwie zu sehen?

Einem unvoreingenommenen Blick entgeht das nicht. Auf einem anderen Blatt steht, dass die meisten Menschen ihr eigenes Verhalten und das Verhalten anderer sehr, sehr voreingenommen betrachten; das ist ein sehr wichtiges Thema, dem ich unter anderem meinen Vortrag auf einer Konferenz an der Universität Charkow im Jahr 2011 gewidmet habe. In diesem Vortrag geht es um "den Instinkt, welcher die Instinkte verneint": ein Instinkt, der implizit eine gewisse Heiligkeit unserer Herkunft voraussetzt und der uns deshalb dazu verleitet, mit Abneigung auf die Behauptung unserer Verwandtschaft mit den Tieren zu reagieren, besonders was das Verhalten angeht. Nun, Arme und Beine, das geht noch, aber dass das Verhalten, wenn auch nur teilweise, affig ist? Brr ... Sie beleidigen uns...

Und wie nimmt der Mensch seine Instinkte wahr? Als eine Art Intuition?

Leider ist der Begriff "Intuition" zu vage und unpräzise; in der Regel wird darunter eine bestimmte Entscheidung verstanden, die plötzlich in fertiger Form vom Himmel heruntergefallen ist. In der Tat kommen manche instinktive Anstöße dem Menschen in einer vorgefertigten Form, wie "von oben". Aber richtiger ist es, die "Intuition" enger zu verstehen, zum Beispiel so, wie sie Napoleon beschrieben hat: "Intuition ist eine schnell gemachte Berechnung". In diesem Fall macht der Mensch, in der Regel ist er ein gebildeter und erfahrener Fachmann in dieser Sache, die notwendigen Berechnungen so schnell, dass er die notwendigen Zwischenberechnungen nicht bemerkt und erhält, wie es ihm scheint, augenblicklich das Ergebnis, was verschiedene positive Emotionen hervorruft.

Die Triebe steuern den Menschen auch durch Emotionen. Doch im Gegensatz zu der klassischen Intuition, "berechnen" die Instinkte nichts, und wenn sie auch etwas berechnen, dann sind diese "Berechnungen" äußerst primitiv: ob ein äußeres Ereignis mit dem Muster zusammenfiel, oder nicht. Zum Beispiel, wenn Sie ein Mann in der Blüte seines Lebens sind, und die Frau, die neben Ihnen in der U-Bahn Platz nimmt, dem Bild (Muster) von einer attraktiven Frau entspricht, das heißt dem Bild eines vielversprechenden reproduktiven Weibchens, dann bekommen Sie wahrscheinlich verschiedene ganz angenehme Emotionen, die Sie zu einer Annäherung anregen werden. Selbstverständlich entstehen diese Gefühle nicht deshalb, weil Sie einen Berg von Literatur über die Fortpflanzung studiert haben: im Gegensatz zu Intuition, wurden diese Mechanismen in Ihnen durch eine Millionen Jahre dauernde Evolution gebildet, und wurden Ihnen als ein fertiges Produkt gegeben.

Und trotzdem, wenn Sie ein zurechnungsfähiger Mensch sind, dann, wie ich hoffe, werden Sie sich nicht sofort auf die Frau werfen, - denn Sie sind ja ein Mensch und kein Insekt. Wenn z.B. die Milbe Ihren Schweiß gerochen hat, und sich auf Sie fallen ließ, dann kann nur noch ein mechanisches Hindernis ein Festsaugen vereiteln. Ihr Verhalten ist sehr starr vorgegeben: es gibt ein Motiv (Hunger), ein Signal von Ihrer Anwesenheit, und das ist genug für das praktische Handeln. Aber schon ein Hund kann auf mehrere Arten reagieren: selbst wenn Sie ihm nicht gefallen, und bei ihm die Motivation aktiviert wird, Sie zu beißen, kann er - vor allem, wenn es ein dressierter Hund ist,- diese Motivation in sich belassen, und auf Aktionen verzichten. Oder sich auf ein Knurren beschränken. Umso mehr betrifft es Menschen: es gibt ja ringsum sehr viele attraktive Frauen (oder auch Männer)! Daher ist es unrechtmäßig das eigene falsche Handeln damit zu rechtfertigen, dass es instinktiv war: der Mensch ist keine Zecke, obwohl er auch Instinkte hat.

Es ist auch wichtig hinzuzufügen, dass instinktive Motivationen am Bewusstsein vollkommen vorbei wirken; der Mensch nimmt sie wie Gefühle und Emotionen wahr, völlig frei von rationalen Erklärungen, die sie auch nicht benötigen. In der Tat - wenn Sie eine hübsche Frau sehen, und ein Verlangen verspüren, ihr näher zu kommen, werden Sie in diesem Augenblick kaum an Ihre Genen denken, die Sie mit Hilfe dieser Frau in die Zukunft werden verpflanzen können. Es kann sein, dass Sie nicht einmal solche Begriffe kennen! Obwohl genau darin besteht die evolutionäre Bedeutung solcher Bestrebungen. Rationelle Erklärungen können später hinzugefügt werden, aber sie werden den Charakter einer Anpassung der Lösung an das Ergebnis haben.

Vernünftiges Verhalten basiert nicht auf einem einfachen Entsprechen der Schablone (so wie das instinktive), sondern auf der Analyse von großen Mengen von Informationen über die Umgebung, und lässt sehr viel komplexere Handlungen entstehen, die flexibler von der speziellen Situation abhängen. Aber die schwierige Arbeit des Gehirns kostet den Körper recht viel, deshalb beobachten wir bei den Menschen viel häufiger ein instinktives Verhalten, als es uns allen lieb wäre.

Welche Instinkte findet man beim Menschen?

Oh, hier ist es möglich, sich sehr tief einzugraben. Reproduktionsinstinkte, die ich oben erwähnt habe, sind dazu geeignet, das Vorhandensein von menschlichen Instinkten darzustellen. Es ist unwahrscheinlich, dass man das instinktive Verlangen zum anderen Geschlecht, instinktive Liebe zu den Kindern, und so weiter, leugnen wird. Doch für die Thematik Ihrer Zeitung sind sie nicht sehr interessant - auch wenn es Ausnahmen geben kann. Zum Beispiel wird angenommen, dass die "Heldentaten" Napoleons weitgehend seiner Liebe zu Josephine und dem Wunsch sie zu beeindrucken bedingt waren. Nichtsdestotrotz werden für die Business-Media viel interessanter soziale Instinkte sein, die die Menschen ermutigen, Gruppen eines bestimmten Typs zu bilden.

Noch ist zu betonen, dass die Aufteilung dieser angeborenen Motivationen in bestimmte Instinkte etwas willkürlich ist, es ist vor allem aber bequem für ihre Untersuchung. In Wirklichkeit beeinflussen sich alle Instinkte gegenseitig und sind voneinander abhängig. Zum Beispiel die Zentralisierung einer Gruppe (als ein Teil des Instinkts der Verwandtschaftskonsolidierung) funktioniert in allen Arten von Gruppen, die ich später erwähnen werde. Das Hauptmotiv des Gruppenzentrismus, denke ich, können wir mit dem berühmten Satz von Lenin ausdrücken: "Wer nicht für uns ist - der ist gegen uns"; das heißt, "die Unseren" sind immer besser als "die nicht Unseren", und diese "nicht Unseren" wünschen wahrscheinlich "den Unseren" etwas Böses und mit ihnen muss man kämpfen - unabhängig von den Überlegungen der Fairness, Gerechtigkeit, Legitimität und so weiter. Dies gilt für alle Gruppen: für Mitarbeiter eines Unternehmens, Sport-Fans, ethnische Gruppen und Armeen. In der menschlichen evolutionären Vergangenheit war ein solches Verhalten völlig gerechtfertigt, aber jetzt anscheinend nicht immer; dennoch ist dieses Motiv immer noch da, und es macht sich ständig bemerkbar.

Die anderen für uns wichtige soziale Instinkte: der Instinkt der Konformität (darf nicht mit dem bewussten Bejahen verwechselt werden) - derselbe, der im Alltag "Herdentrieb" genannt wird; der Instinkt der vertikalen (hierarchischen) Konsolidierung und der horizontalen Konsolidierung, der sich sehr deutlich auf dem Majdan gezeigt hat.

Ich möchte vorsichtig annehmen, dass die Aktivitäten einiger Unternehmensleiter, anscheinend dem hierarchischen Instinkt untergeordnet ist, nicht wahr?

Richtig, aber es ist nicht alles so einfach. Soziale Instinkte sind Instinkte des menschlichen Zusammenwirkens; man kann nicht sagen, dass der Chef nach dem hierarchischen Instinkt lebt, aber nicht die unterordneten Teammitglieder. Denn jeder Mensch ist stark durch die Menschen, die ihn unterstützen. Die Aussage, dass Tyrannen von Sklaven gemacht werden ist genauso alt wie auch wahr. Wodurch ist der Anführer stark? Durch seine Fähigkeit, so oder anders die untergeordnete Teammitglieder seinem eigenen Wille zu unterwerfen, nicht wahr? Und wie kann er es bewerkstelligen? Lassen Sie uns, um die Reinheit des Gedankenexperiments zu wahren, ein informelles Team betrachten, dessen Leiter keine juristisch ausgestaltete Hebel besitzt, mit welchen er auf die einfachen Mitglieder der Gruppe einwirken kann. Zum Beispiel, die informelle Hierarchie in der Schule, in der Armee, im Gefängnis - eines der klassischen Beispiele für vertikal konsolidierte soziale Strukturen (VK). VK ist eine Konsolidierung um den Gewinner. Der systematische Mechanismus des Aufbaus von VK sieht so aus: in einer solchen Struktur beginnen Konflikte aller gegen alle, und bald zeigt sich eine Person, die imstande ist (nicht unbedingt nur auf Kosten der eigenen Stärke) die Oberhand über einen jeden Gruppenmitglied zu gewinnen. In einer Umgebung, wo "jeder nur für sich kämpft" haben die Nicht-Gewinner nur eine Möglichkeit in einer solchen Gruppe stabil zu existieren - indem man seine Loyalität und die volle Unterstützung dem Gewinner zum Ausdruck bringt. Inklusive - und das ist sehr wichtig - im Kampf gegen gelegentlich auftauchende "Dissidenten". Genauso machen Sklaven ihre Tyrannen. Mit ihren eigenen Händen. In der Systemtheorie wird das "positives Feedback" genannt - je mehr Menschen diesen einen unterstützen, desto stärker ist er, und desto mehr Gründe sich dieser Unterstützergruppe anzuschließen haben die, die es bis jetzt noch nicht gemacht haben. Die Loyalität dem Gewinner schwillt lawinenartig an, bis sie einen bestimmten Anschlag erreicht, der von der Gruppengröße abhängig ist. Das Ergebnis ist, dass der Gewinner allmächtig wird (innerhalb der Ressourcen, die diese Gruppe hat), und die Interessen der Gruppe werden identisch mit seinen persönlichen Interessen. In der Tat wird die vertikale Struktur schneller aufgebaut - denn dieser Systemmechanismus ist schon im Instinkt verankert, das Individuum "ahnt", wie es laufen wird, und wirkt im vorauseilenden Gehorsam. Auch wenn in dieser Gruppe nicht nur eine VK gebaut werden kann. Lassen Sie uns auch die Konform- und Gruppenkonsolidierung nicht vergessen, welche die vertikale Struktur der Gruppe fördern.

Wie auch immer, die Ressourcen der Gruppe werden in einer mächtigen "Faust" konsolidiert. Ist es zumindest für diese Gruppe gut? Nur teilweise. Denn der Gewinner (Dominierender) hat in diesen Fällen sehr wenig Grund, sich um die Pflege langfristigen Wohlstandes der Gruppe zu bemühen, denn wenn er nur rücksichtslos diese Ressourcen für seine persönlichen Zwecke verbrauchen wird, wird er deshalb keine Nachteile haben. Selbst wenn sich Unzufriedene finden, sie werden von Sklaven kaltgemacht - aufrichtig und selbstlos. Denn, wie ich schon sagte, ergreifen soziale Instinkte, einschließlich hierarchischer, immer Besitz von allen Mitgliedern der Gruppe, (na gut, fast von allen... ), einschließlich derer auf der untersten Stufe. Die wiederum sehen es als ihre natürliche und ehrenvolle Pflicht, ihren Herrn zu vergöttlichen. Ja, vergöttlichen und verehren - das heißt, einen völlig aufrichtigen und ehrlichen Herzenswunsch, ihn zu unterstützen! Sogar lieben - und sich dabei überhaupt nicht mit rationalen Berechnung und Abwägungen von allen "für" und "wider" zu befassen. Das gesamte Team kann in Konkurrenz zu anderen Gruppen verlieren, aber das wird (wenn es wird) viel später passieren...

Nun, Sie haben jetzt eine Sekte oder eine Straßengang beschrieben. Aber unsere Leser sind zum größten Teil seriöse Unternehmer und Führungskräfte! Sie arbeiten im Rahmen des Gesetzes, und haben in der Tat andere, rationelle Ziele! Wirkt hier der hierarchische Instinkt?

Und noch wie er funktioniert! Und sogar, in einer Reihe von Fällen, noch unabwendbarer. Denn unter den Gesetzen, die Sie erwähnt haben, spielen eine zentrale Rolle (auf jeden Fall - nicht die letzte Rolle) Vorschriften, die entwickelt sind, um die Verordnungen des Leiters zu erfüllen! Und diese verbessern die Wirkung der oben beschriebenen Mechanismen der VK.

Das ist ja Unsinn! Ja, ein guter Führer ist immer ehrgeizig und will viel verdienen, aber er kann dies nur tun, wenn er eine effektive Arbeit der Untergebenen organisiert? Und Sie sprechen hier von irgendeinem im Grunde genommenen Schmarotzertum.

Hmm ... Welcher Narr würde einen langen, schweren, teuren und unzuverlässigen Weg nehmen, wenn es einen kurzen, einfachen und zuverlässigen gibt? In der klassischen Struktur der VK ist die Gefahr auf Widerstand zu stoßen minimal - denn Sklaven murren nicht, sogar im Gegenteil, bieten um die Wette ihre Rücken und Nacken, um dem Besitzer zu gefallen. Und eine Fahrt auf dem fremden Hals ist fast immer profitabler, als mit eigenen Füßen zu stampfen.

Gleichzeitig sind sogar starre Vertikalstrukturen zu manchem schöpferischen Tun fähig. Ja, dieser autoritärer Führer ist ein ungeschickter Spezialist und Organisator, und er ist voll vom Kampf (oft verzweifeltem) um das persönliche Überleben und Gedeihen auf diesem Posten vereinnahmt, na und? Denn unter seinem Befehl kann es sehr qualifizierte Fachkräfte geben, die in der Lage zu einer Selbstorganisation sind! Wenn sie gekonnt eingespannt werden (seinem Willen unterstellen), dann wird das Ergebnis der Aktivitäten dieses Unternehmens (oder dieser Abteilung) sich sehen lassen. Es kommt nicht selten in unserer Welt vor, dass man auf fremdem Rücken in den Himmel einfährt, und die VK- Struktur fußt gerade darauf. Für die gesamte Belegschaft ist es nicht berauschend, aber vom Gesichtspunkt persönlicher kurzfristiger Ziele eines Autokraten ist es ganz normal. Auf die Kurz- und Langfristigkeit der Ziele werden wir, wie ich hoffe, noch zu sprechen kommen, dies ist ein sehr wichtiges Thema in den sozialen Instinkten.

Das ist etwas schreckliches, und, meiner Meinung nach, nicht sehr real. Es gibt doch Gewissen, Pflicht, Anstand? Und warum behaupten sie, dass die Sklaven nicht murren? Wir haben ein Beispiel für ein solches Murren immer noch vor Augen!

In einer rein vertikalen Gruppe murren die Sklaven nicht. Das Murren hat ein Anzeichen für Elemente horizontaler Strukturen. Gewissen, Pflicht, Anstand sind alles Module, die sich im Rahmen der Instinkte der horizontalen Konsolidierung befinden.

Das oben beschriebene schreckliche Bild ist in seiner reinen Form nur in den Gruppen möglich, in denen, wie wir gesagt haben, "ein jeder nur für sich ist"; oder wissenschaftlich gesprochen - "jeder wirkt im Raum seiner persönlichen kurzfristigen Ziele". Ausdruck der Treue zu dem, der "oben ist" - das ist genau so ein persönliches kurzfristiges Ziel. Deshalb wird diese Konsolidierung auch vertikal genannt. Horizontale Konsolidierung - ist die Unterstützung für jemanden, der "nebenan" ist, und dabei, und das ist zwingend - ist es eine gegenseitige Unterstützung. Sie äußert sich in der Fähigkeit zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, die nicht davon abhängt, ob das Objekt der Unterstützung "siegreich" ist. Unter diesen Bedingungen kann der potenzielle Dominant nicht die Bemühungen und Ressourcen der Gruppe vollständig usurpieren - denn er kann jeden einzeln schlagen, aber nicht mehrere auf einmal. Und ihm bleibt nichts anderes zu tun, als mit Rücksicht auf die Interessen der Gruppe zu handeln. Die Mitglieder einer solchen Gruppe beginnen miteinander zu arbeiten, und nicht nur sich gegenseitig für die eigenen kurzfristigen Interessen "zu verkonsumieren". Rein "horizontale" Gruppen gibt es natürlich nicht, in real existierenden Gruppen gibt es immer eine gemischte Konsolidierung, aber die Proportionen können sehr unterschiedlich sein. Es ist unnötig zu betonen, dass je "horizontaler" die Gruppe ist, desto effizienter kann sie die Lösungen gemeinsamer Probleme betreiben.

Aber wenn sie so effektiv sind, warum haben sie dann den Wettbewerb gegen alle vertikalen noch nicht gewonnen?

Dabei hindert das, was ich den "kurzfristigen Druck" nenne. Denn das "horizontale" Verhalten verfolgt Ziele, die sehr weit entfernt in der Zukunft liegen!

Denken wir mal nach: die gegenseitige Hilfe setzt voraus, dass ich meine persönlichen kurzfristige Ziele opfere (sogar das Bewegen eines Fingers erfordert Energie!) in Erwartung irgendeiner Dankbarkeit in der Zukunft. In der Zukunft! Das heißt - man muss in der Lage sein, die Zukunft vorhersagen zu können!!! Und das klappt nicht bei allen (sagen wir es mal so). Zum Beispiel, es fiel Ihnen vom Himmel ein dicker Geldbündel zu. Sie können mit dem Geld ein Haus bauen (das wird, sagen wir mal, ein Jahr dauern) und glücklich darin bis zum Lebensende wohnen. Aber erst in einem Jahr. Und sie können es einfach versaufen. Sofort. Das "Glück " wird hier und jetzt sein und dieses "Glück" ist sehr einfach zu prognostizieren. Ich glaube nicht, dass Ihnen keine ähnlichen Beispiele einfallen. Gerade solche (oder ähnliche) Neigung die kurzfristigen Ziele zu bevorzugen verhindert die Bildung von horizontalen Strukturen. Dabei, und daran möchte ich noch einmal erinnern, bestimmen die sozialen Instinkte das Verhalten von vielen Personen, die zu einer Gruppe gehören. Wenn Sie persönlich eine Vorliebe für langfristige Ziele haben, dann wird das nichts bedeuten, solange es keine ausreichende Menge von solchen Personen geben wird, wie Sie es sind, um in der Gruppe bestimmend zu sein.
Auf der neurobiologischen Ebene wird "der Kurzzeitdruck " durch den großen Energieverbrauch bestimmt, den die komplexe geistige Aktivität erfordert, was die Menschen zu "intellektuell wirtschaftlichen Lösungen" neigen lässt. Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman sagte einmal: "Die Menschen neigen dazu, am Denken zu sparen", und hat darüber ein ganzes Buch geschrieben. Sie haben das Buch wahrscheinlich gelesen, oder zumindest davon gehört, es heißt " Entscheidungen unter unsicheren Bedingungen treffen". Siehe auch das Epigraph.

Erklären Sie das, bitte.

Zum Beispiel, wenn es um Sie herum sehr viele "kurzfristig denkende" gibt, dann könnten sie bei Ihnen einfach jene Baustoffe stehlen, die Sie für den Bau ihres Hauses gebracht haben. Stehlen, verkaufen und die Einnahmen dann versaufen...

Mein Lieblingsbeispiel dieser Art ist die berühmte Aussage Martin Niemöllers: "Als sie kamen":

Als sie kamen, um die Juden zu holen, schwieg ich, weil ich kein Jude war.
Als sie kamen, um die Kommunisten zu holen, schwieg ich, weil ich kein Kommunist war.
Als sie kamen, um die Gewerkschafter zu holen, schwieg ich, weil ich kein Gewerkschafter war.
Dann, als sie kamen, um mich zu holen, gab es keinen mehr, der für mich seine Stimme hätte erheben können.

Diese Worte veranschaulichen am besten die Gedanken über die Notwendigkeit einer "kritische Masse" an gleichgesinnten Menschen, die eine horizontale Beziehung aufbauen möchten. Beachten Sie, dass das Schweigen auf jeder Etappe die kurzfristig profitablere Strategie ist! In der Tat, hier und jetzt zu schweigen ist nutzbringend! Die langfristigen Folgen dieser Kette kurzfristig profitabler Schritte waren allerdings traurig, aber sie vorherzusagen war nicht einfach und nicht eindeutig. Aber wichtig ist es in diesem Fall, dass es eine ausreichende Zahl an Gleichgesinnten gibt, die nicht schweigen. Wenn sich nur ein einziger für Sie einsetzt, dann ist es unwahrscheinlich, dass er Sie rettet. Schaffen es zwei oder drei? Hier gibt es ist bereits Optionen; in jedem Fall ist es wahrscheinlicher. Aber wenn "jeder nur für sich ist", dann kann über die Chancen keine Rede sein.

Und was ist mit dem Gewissen - ist das auch ein Instinkt?

Eigentlich, ja. Oder besser gesagt ist es ein Teil davon, das so genannte Modul. Er ist ein Teil des horizontalen Konsolidierungsinstinktes. Wenn in der vertikalen Struktur der beste Kämpfer die meiste Unterstützung bekommt, so ist es in der horizontalen das Individuum mit der höchsten Reputation, - das heißt, derjenige, der schon oft anderen geholfen hat, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, geschweige denn, dass er den anderen Schaden zugefügt hat. Aber gerade solch einen Menschen, der nach dem "Gewissen" anderen hilft und nach dem "Gewissen" es unterlässt, Böses zu tun (vielleicht dass er dabei sogar seine eigenen Interessen opfert) nennen wir einen gewissenhaften Menschen. Im Instinkt der HK (horizontale Konsolidierung) gibt es auch andere Module, von denen der wichtigste das Modul der Bestrafung von Ganoven (Gerechtigkeitsmodul) ist. Der "Kurzzeitdruck", den ich oben erwähnt habe, ermutigt sogar auch die Mitglieder der HK- Strukturen zum Mogeln (zu nehmen und nichts im Gegenzug zu geben), so dass ohne ständige Überwachung die HK zerfallen wird.

Es leuchtet ein. Ein richtiger Leiter muss in dem ihm anvertrauten Team horizontale Beziehungen aufbauen. Wie macht man das?

Eine sehr interessante, und leider typische Fragestellung, eine durchaus vertikale.

Ein richtiger Leiter, wenn er Interesse an einer horizontalen Beziehung hat, sollte in der Praxis ein gleichberechtigtes Teil der horizontalen Gruppe sein. Es muss nicht nur er die Möglichkeit haben, einen nachlässigen Arbeiter zu entlassen, sondern auch die Arbeitnehmer sollten in der Lage sein, den Manager zu entlassen, der nicht genug für die gemeinsame Sache getan hat. Möglichst ohne Verwendung der Guillotine entlassen. Aufsteigen kann er in dieser Gruppe nur durch seinen guten Ruf. In erster Linie durch den Ruf, und erst dann durch seine spezifische Berufsqualifikation. Und diesen Ruf ständig aufrechterhalten. Wenn er beabsichtigt, das Unternehmen nach dem Prinzip zu führen: "wollen wir mal gemeinsam, selbstlos, engagiert, horizontal, FÜR MICH einen Haufen Geld verdienen, das MEIN Geld sein wird", dann wird er in Wirklichkeit eine vertikale Gruppe bauen, die auf Täuschung basiert ist, und damit wird er selbst zum lohnenden Ziel des Verbrecherbestrafungsmoduls.

Und überhaupt ist die Demokratie keine humanistische Laune von rotzigen Liberalen; Demokratie - das ist Wirtschaft! Das ist ein unverzichtbares wirtschaftliches Werkzeug, im Kampf gegen die Degeneration der Teilnehmer im Wirtschaftsprozess. Die Demokratie muss vor der Wirtschaft gehen; man kann nicht sagen - "wir bauen erst eine starke Wirtschaft, und dann, "vor der Übergabe" bauen wir eine Demokratie". Sie schaffen es nicht, eine starke Wirtschaft ohne Demokratie aufzubauen; Die Demokratie, möchte ich noch einmal wiederholen, ist ein Teil der Wirtschaft, es ist praktisch ihre Basis. Die Diktatur wird unvermeidlich, früher oder später zu einer Degeneration des Diktators führen, er wird zum Parasiten und zum Hemmnis des wirtschaftlichen Prozesses. Egal, welche Diktatur: ob die des Herrschers, die Diktatur des Proletariats, die Diktatur der Gewerkschaften, die Diktatur ethnischer oder anderer Gruppen, und so weiter. In Norditalien, haben wir zum Beispiel eine Diktatur der Gewerkschaften - und die Wirtschaft ist im Sinkflug. In Tadschikistan ist eine Führerdiktatur, das Ergebnis ist sogar noch schlimmer. Eine gute Situation haben wir da, wo niemand jemand anderem etwas diktieren kann. Dies zwingt zu Verhandlungen, zur Ausarbeitung optimaler Strategien und zur Befreiung von Parasiten. Und noch etwas. Der Erfolgreiche Aufbau einer horizontalen Gruppe ist stark von ihrer Größe abhängig. In einer großen Gruppe haben es alle Arten von Simulanten und Betrüger leichter; aufgrund des oben beschriebenen Mechanismus der Bildung der VK, erhöht sich mit zunehmender Größe der Gruppe die Wahrscheinlichkeit, dass sie vertikaler wird. Optimal für die Bildung einer HK Gruppe sind nicht mehr als 8-10 Personen; auf jeden Fall darf ihre Größe nicht die sogenannte "Dunbar-Zahl" (100-200 Personen) überschreiten.

Aber in solch einer "liberalen" Gruppe werden doch Streitereien, Intrigen und Machtkämpfe beginnen? Es werden Versuche unternommen, den Chef zu stürzen, nur um seinen Platz einzunehmen, und so weiter ...

Hmm ... Ich hoffe, Sie sind nicht so naiv, dass Sie behaupten werden, dass es in den vertikalen Gruppen keine Streitereien, Intrigen und Machtkämpfe gibt? Und es gibt keine Fälle, wo dem Chef, dem noch gestern sanft der Arsch geleckt wurde, heute die Gurgel durchgebissen wird?

All das gibt es in vertikalen Gruppen, und in noch viel größeren Mengen. Denn eine vertikale Gruppe ist per Definition um die Macht herum aufgebaut, und um den Kampf um diese Macht. Der Unterschied ist jedoch, dass diese Aktivität in vertikalen Gruppen zum größten Teil im Verborgenen geschieht und deshalb ist es fast unmöglich sie zu kontrollieren und zu beschränken, und als Ergebnis ist die vertikale Gruppe destruktiver.

Findet im demokratischen Großbritannien ein Kampf um die Macht statt? Ja, natürlich. Gab es einen Kampf um die Macht im Politbüro? Und noch was für einen! Aber geben Sie zu, das ist ein ganz anderer Kampf. Ein viel verzweifelterer, aber dabei von den fremden Blicken verborgener, und praktisch von niemandem kontrollierter. Obwohl Sie teilweise Recht haben. Wenn man einfach so die verfilzte vertikale Gruppe zur horizontalen umbenennt, dann wird sie nach wie vor nach den alten vertikalen "Vorstellungen" leben. Das ist so, als wenn man in einem Kannibalen Stamm ein Parlament aufstellen würde: Das Parlament wird ein "Ding an sich" sein, das Leben wird nach "Vorstellungen" (d.h. nach Instinkten) gehen. Wie ich schon sagte, muss es in der Gesellschaft eine kritische Masse von Individuen geben, die zu horizontalen Beziehungen neigen.

Ist diese Neigung angeboren oder wird sie anerzogen?

Teils, teils. Wie ich hoffe, haben wir schon verstanden: der Schlüssel zum Aufbau horizontaler Beziehungen ist die Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen. Nein, ich spreche natürlich nicht über Hellseher, sondern über die Prognostiker. Vorhersagen zu machen, selbst Wettervorhersagen ist eine schwierige und langwierige Arbeit. Übrigens, bei aller seiner Grausamkeit, hatte Stalin Verständnis für die Fehler der Meteorologen - denn in seinem gesamten überschaubaren Arbeitsleben (sechs Monate an der Wetterstation in Tiflis) arbeitete er als Meteorologe und die Komplexität der Vorhersage hat er gut verstanden.

Es ist klar, dass man für eine einigermaßen realistische Prognose "Rechenleistungen" benötigt. Es wäre verlockend diese Qualität, an den Menschen angewandt, "Intelligenz" zu nennen, wenn der Begriff "Intelligenz" nicht so vage und unpräzise wäre. Intellekte gibt es verschiedene!

Meistens wird der menschliche Intellekt mit dem berüchtigten "Intelligenzquotient" (IQ) identifiziert, den Isaak Eysenck vorgeschlagen hat, aber in Wirklichkeit bestimmt dieser Test nicht so sehr die Intelligenz, sondern die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung, deshalb muss ihm mit Vorsicht vertraut werden. Andererseits ist dieser Messwert sehr beliebt, und seine Korrelationen sind gut untersucht. Z.B. wurde festgestellt, dass der IQ sehr viel mit Vererbung zu tun hat: Ihr IQ hängt zu etwa einem Drittel oder sogar mehr (bis zu 1/2) von dem IQ Ihrer Vorfahren ab (nicht unbedingt vom IQ des Vaters und der Mutter, es können auch die Genen der Großeltern eine Rolle spielen). Der Rest wird offensichtlich durch die Erziehung bestimmt.

Aber der IQ ist in unserem Fall wenig aussagekräftig. Denn wir brauchen eine Veranlagung zu langfristigem Denken, und nicht die Fähigkeit, einfache Logik-Puzzles schnell lösen zu können! In einigen Fällen ist dieses langfristige Denken buchstäblich mit bloßem Auge sichtbar: zum Beispiel schneiden einige Menschen ein Stück von der Klebebandrolle ab und lassen das Ende einfach an der Rolle kleben (damit verurteilen sie sich selbst zum langen Suchen nach diesem Ende und dem langwierigen Ablösen beim nächsten Gebrauch der Rolle), die anderen sind nicht zu faul, um am Ende der Folie ein Stück umzuknicken, damit beim nächsten Gebrauch weniger Zeit verloren wird. Natürlich darf man sich nicht nur an dieser Angewohnheit orientieren, aber man kann sie berücksichtigen.

Woher bekommen wir denn so viele kluge Menschen? Alle brauchen die Klugen!

Außer Verstand braucht man für die Bildung einer HK noch eine bestimmte Art von Organisation. Und dann, wie ich hoffe, haben Sie bemerkt, dass ich nichts über kluge Menschen gesprochen habe. Überhaupt ist ein kluger Mensch - eine recht abstrakte Sache. Es gibt unterschiedliche Verstande. In unserem Fall wird ein Verstand benötigt, der nicht der Versuchung der "einfachen" Lösungen anheimfällt und dazu neigt, in die Analyse von täglichen Entscheidungen große Mengen an Informationen einzubeziehen und eine große Anzahl von Optionen zu analysieren. Aber nicht, zum Beispiel, die Fähigkeit des Individuums im Kopf ein System von Differentialgleichungen mit abgeleiteten Quotienten zu lösen.

Zum Beispiel, wenn der Manager beabsichtigt, die Leistung des Unternehmens durch "die Stärkung der Disziplin" zu verbessern - das heißt, zum Beispiel erhöhte Strafen für das Zuspätkommen, oder Anomalien in dem Dress-Code, hat er dann recht? Vielleicht ja. Vielleicht ist das eine richtige Entscheidung. Aber eine verdächtig einfache. Das Reaktionsschema ist in diesem Fall praktisch instinktiv - am Eingang ist ein eindeutiges (und leicht analysierbares) Merkmal und am Ausgang ein einfacher Schritt: Kopf ab. Wieviele Bits an Informationen werden am Eingang analysiert? Einer. Wie viele Bits an Information werden ausgegeben? Auch einer.

Leser, die in der sowjetischen Armee gedient haben, können sich noch gut daran erinnern, welche fanatische Aufmerksamkeit dort polierten Gürtelschnallen und anderen Gegenständen der persönlichen Soldatenausrüstung geschenkt wurde. Es ist schwer zu sagen, wie sich die polierten Schnallen damals auf die Kampfkraft auswirkte, aber die Israelische Armee macht auf viele Menschen den Eindruck einer Versammlung entmagnetisierter schlampiger Chaoten. Dort ist es in einigen Fällen während des Bereitschaftsdienstes erlabt zivile Kleidung bis zu Hausschuhen zu tragen! Dabei ist sie nach ihrer Kampffähigkeit, eine der besten (wenn nicht die beste) Armeen der Welt!

Schlagen Sie vor, das Polieren der Schnallen zu verbieten?

Gute Frage. Eine charakteristische. Sie setzt genauso die Orientierung auf nur ein einfaches Merkmal voraus: die Schnalle. Nur von einer anderen Seite. Ich bin keineswegs für Unordentlichkeit. Ich warne nur vor der Versuchung, auf einfache Lösungen zu setzen. Eine richtige, durchdachte Entscheidung stützt sich immer auf eine große Menge von Informationen, die nicht immer grell und ins Auge fallend sind.

Und welche Instinkte schalten sich in Krisensituationen ein? Oder sind es gar keine Instinkte, sondern die Vernunft?

In Krisensituationen muss man schnell reagieren. Daher wird das Reagieren zwangsläufig vereinfachter, primitiver und nähert sich dem instinktiven. Und in einer akuten Gefahr wird es rein instinktiv. Allerdings sind alle Krisen unterschiedlich. Wenn die persönliche Existenz bedroht ist, wird natürlich der Selbstschutzinstinkt aktiviert, aber wir sollten nicht davon ausgehen, dass dieser Instinkt vollständig das menschliche Verhalten bestimmt. Zum Beispiel kann einer von den Eltern sein Leben opfern, um das Kind zu retten, das Omega der vertikalen Gruppe kann sich für das Alpha aufopfern, ein Mitglied der horizontalen Gruppe für seinen Kampfgenossen.

Aber wenn es keine Gefahr für das Leben gibt, aber es besteht eine Gefahr, sagen wir mal für das Unternehmen, dann aktiviert sich meistens der Instinkt der vertikalen Konsolidierung: der Inhaber konzentriert die Ressourcen und die Kraft aller Teilnehmer, um mit minimalen Verlusten für sich aus der Krise herauszukommen. Allerdings widerstehen die horizontalen Gruppen jedoch wirksamer den externen Gefahren: ihre Mitglieder sind weniger egoistisch.

Das heißt, dass der Übergang zu den horizontalen Beziehungen durch eine Krise hervorgerufen werden kann?

äh, nein. Vermutlich sogar ganz im Gegenteil. Deutlich vertikale Gruppen werden noch vertikaler: die Spitze, die nach Rettung sucht, wird noch härter die Ressourcen von "unten" herauspumpen. Überlebenschancen für die gesamte Gruppe sinken, aber das wird erst später passieren; kurzfristig ist der Untergang nicht sichtbar (und vertikale Gruppen sind, wie wir wissen, durch Kurzzeitverhalten gekennzeichnet).

Die Krise ist kein "Umerziehungsfaktor" einer Gruppe, sondern ein Auswahlfaktor. Es werden eher jene Gruppen überleben, die von Anfang an horizontal waren. Aber leider ist das "horizontale" Verhalten weniger stabil; denn es ist das am schwierigsten organisierte Verhalten, dagegen strebt alles in der Welt (einschließlich des Weltalls) zu Einfachheit und Chaos. Daher werden die "horizontalen" Gruppen viel eher in vertikale umgewandelt als umgekehrt.

Kann ein Mensch überhaupt erkennen, dass er in einigen Situationen von Instinkten getrieben wird?

Nun, wenn er pauschal und im prinzipiell bei sich die Existenz von Instinkten bestreitet, dann natürlich nicht. Er wird hartnäckig leugnen, dass diese irrationale Gefühle und Wünsche, die ihn beherrschen, Instinkte heißen. Aber "die Unkenntnis des Gesetzes befreit nicht von der Verantwortung", ob ein Mensch zugibt, dass hinter seinem Verhalten Instinkte stehen, oder nicht - die Instinkten verschwinden deshalb nicht. Ich habe bereits darüber zu Beginn unseres Interviews gesprochen: Instinkte haben keine "innere Stimme", und sie erklären niemandem etwas. Sie "kommen an die Oberfläche " nur in der Form von Gefühlen und Stimmungen, die der Mensch selbst so interpretieren kann, wie es ihm gefällt.

Allerdings, wenn eine Mensch über seine Instinkte Bescheid weiß, dann kann er durchaus auch ihre Arbeit sehen, und wenn es nötig wird, ihnen auch entgegentreten. Und bei der Verbreitung dieses Wissens sehe ich meine Bürgerpflicht.

 

Das Interview wurde von Elena Kuryachij geführt.

24. März 2014

 

Alle Texte und Reden von Anatoly Protopopov

 

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